Das Märchen der 3 Gedächtnisse

Vor kurzem nahm ich bei einem Workshop teil in dem es um Lerntechniken ging. Dort wurde eine Weile über die Lern- und Vergessenskurve vorgestellt und warum es so wichtig sei, immer wieder zu wiederholen damit Inhalte (Vokabel etc.) gespeichert werden können.

Hm. Inwieweit das sinnvoll sein mag, sich Dinge in den Kopf zu packen die für einen offenbar nicht relevant sind (sonst müsste man ja nicht 1000x bewusst wiederholen, oder?) sei dahin gestellt.
Interessant ist dass die angeblich schlechten Schüler oft dieselben sind, die natürlich brillant in ihren Hobbies erscheinen (die können oft die Fußballer ihres Vereins samt aller Daten wann wer wo gespielt hat…)

In jedem Fall ging es dann weiter das Gedächtnis einzuteilen in ein Ultra-Kurzzeit, ein Kurzzeit und ein Langzeitgedächtnis darüber hinaus ist es wichtig, vor allem für das letztere zu lernen.

ok. dann lese ich ua bei Manfred Spitzer dass es solche „Schubladen im Gehirn“ gar nicht gibt.
Bei zeitlichen Eigenschaften von Gedächtnis weist er auf zwei Beispiele hin, nämlich das Arbeitsgedächtnis und die Verarbeitungstiefe.

Das Arbeitsgedächtnis bezeichnet

„den Teil unseres geistigen Lebens, der mit Inhalten hantiert, sie neu ordnet, verknüpft, sie dreht und wendet, sie formt und dann etwas damit macht“
(Spitzer, M.: Lernen)

Wenn Sie sich bloß kurz merken wollen, wie der Autor heißt, dessen neues Buch Sie durchstöbern wollen, reicht es vielleicht, dies kurzfristig im Arbeitsgedächtnis abzulegen und danach zu vergessen (vor allem wenn Sie das Buch enttäuscht…)
Gefällt es Ihnen jedoch und Sie beschäftigen sich weitergehend damit setzen Sie „Gedächtnis-Spuren (Repräsentanten).

Die Informationen werden so

„im Kopf bearbeitet, von verschiedenen Arealen des Gehirns zugleich und interaktiv verarbeitet, es wird mit ihm geistig hantiert. Je mehr, je öfter, je tiefer, desto besser für das Behalten.“
(Spitzer, M: Lernen)

Die Info wird also nicht von einer Schublade Kurzzeit-in eine andere Langzeit gepackt, vielmehr trifft die Metapher Neuronen-Netzwerk die Struktur des Gehirns (vgl Vera F. Birkenbihls Wissens-Netz)

Ins Arbeitsgedächtnis passen laut Spitzer ca. 5-9 Info-Stücke (Chunks) Informationsspeicherung geschieht durch die Vernetzung von Neuronen (Nervenbahnen müssen angelegt werden), wobei möglichst abstrahiert wird (Details weggelassen), und nur dann wenn sie für uns WESEN-tlich (siehe Fußballer namen oben) und bestenfalls emotional besetzt sind

„Je mehr, je öfter, je tiefer, desto besser für das Behalten.“
(Spitzer, M: Lernen)

ja und dann gibt’s da ja noch das was Bauchhirn genannt wird, intuitives Wissen, „Other-than concious„, dieses ist es wohl, was viel mehr vermag, an all unserm Verhalten beteiligt ist, mehr, als so mancher glauben mag
Aber dazu mehr ein ander mal 🙂

Tipp
Spitzer, Manfred: LERNEN: Gehirnforschung und die Schule des Lebens
Video: Gedächtnisspuren